Über Pullach im Isartal
Pullach im Isartal ist eine Gemeinde im südlichen Landkreis München. Bekannt ist Pullach unter anderem als Sitz des Bundesnachrichtendienstes. Am Kirchplatz befindet sich das Pullacher Bürgerhaus, die alte Heilig-Geist-Kirche sowie einige Cafés und Wirtshäuser. Am Isarhochufer ist die Jugendherberge Burg Schwaneck zu finden, das Gelände des Bundesnachrichtendienstes erstreckt sich östlich der S-Bahn-Linie bis zur Isar und wird von der Heilmannstraße in der Mitte in zwei Teile geteilt. An der Wolfratshauser Straße befindet sich das Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrum, das Staatliche Gymnasium Pullach und das Freizeitbad befinden sich nahe der S-Bahn an der Hans-Keis-Straße. Die Freiwillige Feuerwehr Pullach hat mit ihrem Standort im komplett renovierten und erweiterten Feuerwehrhaus in der Kagerbauerstraße eine zentrale Lage.
Pullach war eine bäuerlich geprägte Gemeinde. Eine erste sichere Erwähnung einer Kirche ist in der Konradinischen Matrikel als Filialkirche von Thalkirchen (München) im Jahr 1315 zu finden. Ende des 15. Jahrhunderts, als die heutige alte Kirche gebaut wurde hatte der Ort nur ca. 250 Einwohner. Der Ort war nicht wohlhabend, was sich auch daran zeigt, dass de r Bau der Kirche durch wohlhabende Münchner Patrizier unterstützt wurde. Die Einwohnerzahl Pullachs blieb bis in die Mitte des 19. Jahrhundert schwankend bei ca. 200 Personen. Erst mit der Industrialisierung wuchs die Einwohnerzahl rasch an.
Mit dem Bau der Maximiliansbahn 1854 und dem Bau der Isartalbahn 1891 entwickelt sich Pullach als Ausflugsziel der Münchner. Um das hohe Fahrgastaufkommen am Staatsbahnhof bewältigen zu können hatte der Bahnhof mindestens 6 Gleise. Die Münchner pilgerten von dort in Scharen entlang des Isarhochufers zu den großen Biergärten, der Waldwirtschaft und dem Rabenwirt im Ortszentrum, die jeweils mehr als 5000 Plätze hatten, sowie dem Bürgerbräu. Nebenbei entwickelte sich Pullach zur Künstlerkolonie südlich von München. Mehrere Villen aus dieser Zeit am Isarhochufer sind erhalten und auch die klassizistische Burg Schwaneck, erbaut durch Ludwig von Schwanthaler, die heute großenteils als Jugendherberge genutzt wird. 1892 entstanden dann in Pullach ein Bade- und ein Kurhaus an der Isar, die allerdings nur bis 1904 in Betrieb blieben.
Ab 1894 wurde im Ortsteil Höllriegelskreuth ein Wasser- und Dampfkraftwerk errichtet, ein weiteres Wasserkraftwerk entstand 1901 in Pullach. Diese legten den Grundstein für die Industrialisierung Pullachs durch die Firmen Lindes Eismaschinen (heute Linde AG) Elektrochemischen Werke München (heute United-Initiators).
Zur Zeit des Nationalsozialismus war Pullach mit der Rudolf-Heß-Siedlung Wohnort von Größen der NSDAP und Standort eines Führerhauptquartiers auf dem heutigen BND Gelände (siehe auch Öffentliche Einrichtungen).
Als eine der ersten Gemeinden im Münchner Umland nahm Pullach im Jahr 2005 eine kommunale Fernwärmeversorgung durch Geothermie in Betrieb. Über eine Bohrung in die Malmschichten wird 107°C warmes Wasser für die Heizwärmeversorgung gefördert.
Ende Juli 2006 fand eine große Festwoche zur 1200 Jahrfeier der Gemeinde statt.
Pullach liegt an der südlichen Ausfallstraße von München nach Wolfratshausen. Die ursprüngliche Wolfratshauser Straße durch Pullach ist inzwischen durch die westlich an Pullach vorbeigeführte B 11 ersetzt.
Im Gemeindegebiet liegen die S-Bahn-Haltestellen „Großhesselohe Isartalbahnhof“, „Pullach“ und „Höllriegelskreuth“ (S7).
Die nächsten Autobahnauffahrten sind Forstenried und Schäftlarn an der Garmischer Autobahn A 95 sowie Oberhaching am Zubringer A 995 zur Autobahn München-Salzburg A 8.
In der Heilmannstraße hat der Bundesnachrichtendienst seinen Sitz. Die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes wird in den nächsten Jahren schrittweise nach Berlin umziehen. Allerdings soll ein größerer Teil der technischen Zentrale in Pullach verbleiben, so dass derzeit noch nicht vollständig abzusehen ist, welche Flächen am Standort Pullach aufgegeben werden.
Die Gemeinde Pullach i. Isartal verfügt über die Planungshoheit für das freiwerdende Gelände, es ist aber derzeit noch unklar, mit welchen Altlasten zu rechnen ist und wie mit den Bestandsgebäuden verfahren wird.
Früher hieß der BND in Pullach zur Tarnung offiziell „Bundesvermögensverwaltung, Abteilung Sondervermögen, Außenstelle Pullach“.
Die Vorgängerorganisation des BND, die Organisation Gehlen wurde im Jahr 1947 auf dem GeländeWerbeplatz A3 der Reichssiedlung Rudolf-Heß und des Führerhauptquartiers Siegfried angesiedelt. Die Reichssiedlung wurde in den Jahren 1936 bis 1938 als Wohnort für die Parteielite der NSDAP errichtet. Schon vor der Errichtung der Reichssiedlung hatte Martin Bormann aus Mitteln der Partei westlich der heutigen Heilmannstraße Grundstücke erworben. Auf diesen wurden nun durch den Architekten Roderich Fick auf ein zentrales Stabsgebäude ausgerichtete Ein- und Zweifamilienhäuser in schlichter Walmdachbauweise errichtet. Das Stabsgebäude war als repräsentative Villa ausgestattet und diente auch der Familie Bormann als Unterkunft. Auf dem östlich der Heilmannstraße gelegenen Grundstück wurde in den Jahren 1943-44 das Führerhauptquartier Siegfried als eines von 16 Hauptquartieren von der Organisation Todt errichtet. Das Führerhauptquartier bestand aus einem zentralen Bunker, Nahverteidigungsturm, Verwaltungs- und Mannschaftsgebäuden und war durch einen eigenen Bahnanschluss von der Isartalbahn aus erschlossen.
Einige der Gebäude aus der Reichssiedlung sind von der Heilmannstraße aus über die Mauer des BND zu erkennen. Das Gelände ist aber für die Allgemeinheit nicht zugänglich, fotografieren ist im Bereich des BND verboten.
Webseite der Gemeinde: http://www.pullach.de/
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